Geschichte - Kramer 450 Export

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Geschichte

Kramer 450 Export "S"

Am 29. Dezember 1965 kam mein Opa Oswald Radmacher mit dem Kramer, den er zuvor in Laumersheim bei dem Landmaschinenhändler Trinkel kaufte, angefahren. Weder mein Vater noch meine Oma wussten  etwas davon. Voller Stolz kam er in unseren Dorf angefahren. Mit dem schnellsten Traktor vom Dorf! Von einigen Älteren  bekam ich erzählt, dass es zu dieser Zeit die Runde machte: "Was will  der kleine Bauer mit einem solchen großen Traktor?" Heute lächelt man mittlerweile darüber.

Er erzählte mir, dass er mit seinem Kramer jeden Anhänger Rüben vom Acker gezogen hatte, ohne stecken zu bleiben. Ansonsten hat er immer seine Dienste getan, ohne große Problem zu bereiten. Ob es galt den Kartoffelacker zu bestellen, oder die Saat auszubringen, bei der Traubenlese die Ernte nach Hause zu bringen, er hat ihn nie im Stich gelassen.

Nach und nach wurden die Äcker abgegeben und die Weinberge wurden weiterhin behalten. Die letzten Jahre stand er meistens in unserer Scheune und hatte nur seinen Einsatz im Herbst zur Traubenernte.

1996 hat mein Vater die Landwirtschaft komplett aufgegeben. 1997 und '98 hat der Traktor seine Dienste bei unserem Hausbau verrichtet und hat mir geholfen jede Menge Geld zu sparen.  Bauschutt vom Abriss zur Deponie fahren und Schotter, Splitt und Sand transportieren. Als der Bau abgeschlossen war, stand  der Traktor ca. 6 Jahre bei einem Nachbarn in der   Scheune und staubte zu. Nach dieser Zeit habe ich eine neue Batterie  gekauft, da bei der alten mittlerweile sie Zellen zusammengefallen waren - eingebaut - Wasser und Öl kontrolliert - gestartet. Er sprang  auf Anhieb an. Das der Motor eigentlich immer schlecht anspringt, ist bekannt. Aber mit der neuen Batterie (680 Ampere!), kann der  Anlasser genug Drehzahl aufbauen und dies hilft ein wenig.   Der Traktor lief nun wieder. Dazu braucht man natürlich auch einen  Anhänger, damit man auch mal etwas transportieren kann. Also habe ich   unseren alten Anhänger mit platten Reifen wieder aus der Versenkung  geholt. Von diesem mussten das alte Holz entfernt werden und natürlich entrostet. Eine neue Hinterachse war auch notwendig,  weil es keine Reifen in der Größe gab. Die ursprünglich Hinterachse war wahrscheinlich einem OPEL P4!? Da war nix mehr zu kriegen. Da  reicht auch eine von einem Opel Kadett! Mit ein paar Anpassungen hat auch diese ihren neuen Platz gefunden. Danach wurde der Anhänger neu  gestrichen (RAL 6000 -   Patina grün) und neues Holz auf Boden und   Wände verbaut.

Im Frühjahr 2007 habe ich mit der Restauration begonnen. Erst einmal  ausprobieren, wie man dies am besten macht. Zuerst habe   mit dem Sitz begonnen. Erst einmal den Bezug entfernt, dann die  Metallteile mit einem Nylonbürstenaufsatz für die Bohrmaschine   entrostet. Nachdem die Teile entrostet und fettfrei waren, wagte ich  mich an meine erste Lackierung. Im Internet habe ich in   verschiedenen Foren schlau gemacht, wie man am einfachsten lackiert.  Man braucht eigentlich nur Zeit und Geduld. So ist meine   erste Lackierung eigentlich auch ganz gut gelungen. Danach habe ich  den Sitz zum Sattler gebracht und habe mir den Kunstlederbezug   neu anfertigen lassen. Sitz wieder montiert und fertig. Wenn das mit  dem Sitz funktioniert, dann geht der Rest vom Traktor auch.

Im Juni war es dann soweit. Ich habe den Traktor aus der Scheune des Nachbarn geholt und in der Garage abgestellt. Die Anbauteile waren auch eigentlich recht schnell demontiert und der Traktor  aufgebockt. Dann habe ich begonnen den ganzen Staub-Öl-Dreck zu  entfernen. Ich denke, ich habe bestimmt 10 kg Dreck abgekratzt. Die ganzen Teile  danach mit Bremsenreiniger (Gesamtverbrauch 15 Dosen) fettfrei   gereinigt und wieder mit einem Nylonaufsatz abgebürstet. Dieser funktioniert auch ganz gut. Es lässt sich damit super den Rost  entfernen, sowie der alte Lack löst sich relativ schnell in Staub auf.   Somit habe ich den größten Teil rost- und fettfrei gekriegt. In den Ecken kam dann eine kleine Sandstrahlpistole zum Einsatz. Für große  Flächen total ungeeignet, aber für die Ecken - super! Die großen  Flächen habe ich mit einer Nylonscheibe (Negerkuss) für den  Einhand-Winkelschleifer entrostet und den Lack abgeschliffen. Die groben Teile wie Ackerschiene, Oberlenker, Hubstangen etc. wurden profesionell in einer Sandstrahlkabine gestrahlt. Vor dem Lackieren wurden alle Teile nochmals mit Silikonentferner abgerieben. Zum Lackieren wurde die Garage mit Folie abgehängt. Schließlich soll ja der Traktor und nicht die Garage grün werden. Zu empfehlen  ist aber eine etwas dickere Folie zu verwenden. Auch wenn sie erst teuer erscheint, lohnt es es sich das Geld auszugeben. Die dünne  Folie hat ruckzuck, nur durch das darüber laufen, Löcher. Dann habe ich mit Grundierung alle Teile weiss grundiert. Mit einer weissen Grundierung kommt der eigentliche Decklack  wesentlich leuchtender zur Geltung. Danach habe ich den Decklack mit viel Geduld  aufgetragen. Ich habe den kompletten Traktor nass in nass lackiert. D.h., die Grundierung ca. 2 - 3 Stunden anziehen lassen und  gleich den Decklack aufbringen. Dies erspart das mühevolle Anschleifen der Teile. Ist nicht der perfekte Autolack, aber er kann sich trotzdem sehen lassen. Da ich mit Kunstharzlack lackiert habe ist dies vollkommen ausreichend. Für die Karosse und andere  Teile habe ich ca. 3,5 Liter Grundierung, ca. 6 Liter RAL 6000 (Patinagrün), sowie für die Felgen einen Liter RAL 3002 (Kaminrot)  und eine Dose Auspufflack verbraucht. Alle Teile hab ich dann nach und  nach, wie sie fertig waren wieder montiert. Die Felgen bekamen noch eine neue  Bereifung und die Aluminiumteile habe ich noch in mühevoller Handarbeit poliert. Die Elektrik musste ebenfalls komplett neu gemacht werden. Informationen darüber habe ich mir im Internet zusammengesucht. Wie wird eine Gleichstromlichtmaschine  angeschlossen, oder wie die Zweikammer-Leuchte (Blink- und Bremslicht in einem) verkabelt? Das ganze habe ich dann mit ölbeständigen Kabel  verdrahtet. Dies bekommt man schon ab ca. 2,- pro Meter. Ist zwar nicht original, aber ich habe einen Anbieter im Internet  gefunden, der den Kabelbaum für 250,- Euro verkauft. Da   überlegt man schon, ob man sich nicht selbst hilft! Vielleicht gebe  ich später mal das Geld dafür aus. Die Beleuchtung auf den   Kotflügeln musste ich aufgrund des starken Rostbefalls komplett  ersetzen. Die Hella-Beleuchtung ist noch überall zu bekommen. Für die Glühkerzen habe ich mich dann für ein dickeres (10mm²) Kabel  entschieden. Das alte Kabel wurde beim Vorglühen warm. Nach dem Umbau ist das jetzt nicht mehr der Fall. Nachdem die Elektrikarbeiten abgeschlossen waren, habe ich Wasser und Hydrauliköl nachgefüllt, Motor und Getriebeöl kontrolliert - den Starter gezogen - und er lief ...! Da stand der ersten Ausfahrt natürlich auch nichts mehr im Wege, die dann sofort gemacht wurde. Da war es  Anfang September.


Die ganze Restaurierungsaktion dauerte "nur drei Monate"! Die Stunden  habe ich nicht gezählt. Jeden Abend und jeden Samstag habe ich in der Garage verbracht. Mein Glück war, dass der Traktor in einem sehr guten technischen Zustand war und ist. Ich musste   lediglich die Radialdichtung der Zapfwelle ersetzen. Ansonsten ist von mir vor einiger Zeit immer wieder etwas abgedichtet und   ersetzt worden. Das hat mir natürlich bei der Restauration sehr geholfen!

Nun bin ich ein stolzer Besitzer eines "Kramer 450 Export S". Ohne die Unterstützung meiner Familie, Freunde und Bekannte hätte ich dies in dieser kurzen Zeit nicht leisten können. Darum möchte ich mich bei ihnen auf diesem Weg BEDANKEN!!! Auch vielen Dank an das Kramer-Werk in Überlingen für die freundliche Auskünfte über verschiedene Details.
 

DANKE!
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